Mittwochs-Mails

Einmal jede Woche nehmen wir uns Zeit und schreiben ein paar Gedanken und Zeilen zum Alltag von Beziehungen. Auf dieser Seite sammeln wir ein best-of. Die Mittwochsmails, die am meisten Reaktionen ausgelöst haben, finden hier ihren Platz.

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April 15, 2020

Emotionale Nähe lernen 💕

Schönen Mittwoch,

wie geht es dir mit dem langsamen Wiederhochfahren?
Wir merken davon noch nicht so viel – unsere Beratungspraxis ist nach wie vor geschlossen und Beratung gibt es bei uns nur über Video. Dafür werden wir darin täglich besser. 😉

Letzte Woche haben wir uns „Urlaub zu Hause“ gegönnt – die Karwoche ist an sich immer Urlaub. Dieses Jahr hat es sich anders angefühlt, aber das Sommerwetter tut unserer Seele gut. Und wenn es uns nicht gut geht, dann schauen wir auf unsere langsam wachsende Liste. 😊

Wir bemerken privat und in der Beratung, dass es für Partnerschaften gute Lernchancen gibt. Ein Bereich betrifft dabei die Gefühlszustände. Gerade jetzt stellen viele Menschen fest, dass sie mit Gefühlen konfrontiert sind, die ihnen nicht so bekannt sind. Sorge um Angehörige, generelle Unsicherheit, wirtschaftliche Sorgen, Enge in den eigenen Wänden sind nur vier Beispiele dafür.

Was kann man hier lernen?

Wenn jede*r ein wenig auf seinen „Seelengarten“ achtet, dann kann sie/er bemerken, dass die Gefühle, die so kommen, in jedem selbst entstehen. Ausgelöst von außen – in vielen Fällen jetzt von den Umständen von COVID-19 – aber in in jedem von uns sehr unterschiedlich und auf unseren persönlichen Nährboden größer und kleiner werdend. Und was derzeit besonders ist, ist die Offensichtlichkeit, mit der das passiert.

Wenn Dieter beispielsweise die Sorge um seine Eltern beschäftigt, entsteht innerlich eine Anspannung für die Angela nichts kann. Durch die Nähe zwischen uns beiden spürt Angela aber, dass etwas los ist. Und nun könnte sie denken, sie sei ursächlich und/oder für Dieters Wohlbefinden verantwortlich. Das würde vermutlich zu einer Anspannung auf ihrer Seite führen. Wenn es aber entweder Dieter gelingt, seiner Sorge Worte zu geben, oder Angela gelingt „vorsichtig, wie mit dem Archäologenpinsel“ Dieter bei der Entdeckung seiner Sorgen (die ihm so vielleicht gar noch nicht bewusst sind) zu helfen, dann entwickelt sich die Dynamik zwischen uns beiden ganz anders. Es entsteht emotionale Nähe.

Und weil es in dieser außergewöhnlichen Zeit viele und schnelle Änderungen der Gefühle gibt und viele von uns auf die Familie als soziales Netz beschränkt sind, gibt es gerade jetzt viele Lernchancen für emotionale Nähe. 😊

Kommt euch emotional nahe. 💕
Alles Liebe,
Angela & Dieter


Oct 09, 2019

Vom Müssen 😳

Schönen Mittwoch,

manchmal bemerken wir, dass wir Getriebene unserer Werte sind. „Ich muss…“, „Man kann doch nicht…“, „Das gehört sich doch so…“ sind sprachliche Wegweiser dafür, dass wir unsere Freiheit möglicherweise nicht in vollem Ausmaß sehen.

An diesen Punkten kann es hilfreich sein, seine eigenen Werte und Normen einer Revision zu unterziehen. Wer sagt denn, „dass ich muss“? Woher kommt meine Vorstellung, dass etwas so zu sein hat – und nicht anders. Und: Ist das für mich immer noch die richtige, wert-volle und sinn-erfüllte Ausrichtung?

Wenn wir über Werte sprechen, so gehen wir im Allgemeinen von langfristigen & stabilen Leitlinien aus. In der Logotherapie ist es so, dass Werte nicht nur das Große meinen, sondern oft auch im Alltäglichen Auswirkungen haben. Die Frage „Was ist mir denn wichtig?“ ist die hier die Leitfrage.

Werte und Normen geben uns Sicherheit und Stabilität. Nicht immer kommen diese ursprünglich aber als bewusste Antwort auf eine gestellte Frage, sondern „schleichen“ sich über unser soziales Netz in unsere Leben. Unsere Ursprungsfamilie, der Freundeskreis, die Kirche, um nur einige Einflussbereiche zu nennen haben starken Einfluss darauf, was wir für wichtig erachten und wonach wir uns ausrichten.

Die gedankliche Abfolge von „Was will ich?“ über „Was tut mir gut?“ hin zu „Was ist mir wichtig?“ bringt manchmal Erkenntnisse über die Unterschiedlichkeiten der Antwort, die richtiggehend überraschend sind. Verfolge doch mal diese Spur in Dir!

Alles Liebe,
Angela & Dieter


Nov 13, 2019

Speziell für Männer 💪

Schönen Mittwoch,

unsere Töchter würden vermutlich sagen, dass das, was folgt, ein „shout-out“ für alle Paarberater ist. Ich denke es ist eher ein Appell an alle Männer.

Wenn Paare am Anfang des Beratungsprozesses zu uns kommen, dann hören wir sehr oft: „Meine Frau hat schon vor 3 Jahren gesagt, wir sollten uns Hilfe suchen.“ Ganz ehrlich: Mittlerweile schlage ich bei dem Satz innerlich die Hände über dem Kopf zusammen.

Ich weiß, wir Männer neigen zu „wird schon wieder.“ Und viele von uns können vieles ganz ohne Hilfe von außen herrichten und reparieren. Persönlich habe ich aber aus Sicherheitsgründen meine „Mach-ich-selbst“-Grenze. Ich repariere beispielsweise mein Auto nicht selbst. Und auch an der Gastherme bastle ich nicht herum. Nicht weil ich es nicht zu können glaube (natürlich nicht 😉), sondern weil mir in beiden Fällen das Leben meiner Liebsten wichtig ist und ich deshalb lieber einen Profi um Hilfe frage.

Keiner von uns würde 3 Jahre mit dem Auto fahren, wenn die Öldruckleuchte brennt, oder wenn wir denken die Bremse macht Probleme. Wenn es aber um unsere körperliche oder (vermutlich noch öfter) um unsere seelische Gesundheit geht, dann wursteln wir vielfach einfach weiter. Und dann haben wir einen Menschen an unserer Seite, der uns noch sagt: „Jetzt wird‘s Zeit“ und wir warten trotzdem.

Was aber passiert, wenn wir drei Jahre warten? Unsere Partnerin beschäftigt sich drei Jahre mit allen Varianten. Vielleicht kämpft sie um unser Wir, vielleicht wird sie still, vielleicht beginnt ein innerer Abschied. Was aber jedenfalls passiert ist, dass wir in diesem Beziehungsprozess drei Jahre Rückstand haben, wenn wir uns endlich aufraffen, den Stolz zur Seite zu schieben und zu probieren, ob jemand Außenstehender helfen kann.

Wenn also ein Freund mit dir über seine Beziehungssituation spricht und erzählt seine Frau habe eine Paarberatung vorgeschlagen, dann gib ihm doch den guten Rat, für sich und seine Partnerschaft Hilfe zu suchen und am besten noch heute einen ersten Termin zu vereinbaren.😊

Alles Liebe und eine schöne Woche wünscht diesmal nur,
Dieter


Jan 08, 2020

Kochen 🍽 und Putzen 🏡

Schönen Mittwoch,

wir haben einige freie Tage hinter uns und einer der wunderbaren Aspekte an freien Tag ist, dass alles „unordentlicher“ also weniger strukturiert und weniger geordnet sein darf.

Wir stehen als ganze Familie viel später auf und leben oft in den Tag hinein. Und wir haben viel Zeit für Dinge, die sonst oft schnell, schnell gehen müssen.

Kochen zum Beispiel. Angela kocht leidenschaftlich gerne. Sie ist nicht nur, aber auch, eine Feiertagsköchin. Was ist das Wunderbare am Kochen? Das Ergebnis ist schnell sicht- und schmeckbar!

Kochen hat natürlich noch andere „Wofürs“ – Verpflegung der Familie, Beitrag zur Partnerschaft, Gemeinsam mit den Kindern etwas Tun und vieles mehr. Aber für Angela ist es vor allem die große Sehnsucht sich etwas auszudenken/vorzustellen und es dann „wahr“ werden zu lassen. 😊 Die schnelle Sichtbarkeit des Ergebnisses ist dabei wunderbar.

Wir haben auch festgestellt, dass Aufräumen für Dieter auch „innere Ordnung und Zufriedenheit“ bringt. Das ist bei Angela nicht so – was manchmal zu kleinen Ordnungsmissverständnissen führen kann. 😉

Wir versuchen also zu entdecken, was wir spüren, was die Sehnsucht hinter den Tätigkeiten ist, die der eine mehr und der andere weniger gern tut.

Vielleicht hast Du auch schon entdeckt, was Dich Autoputzen, Schneeschaufeln oder Kochen/Putzen lässt? Erzähl doch Deinem Partner davon!

Einen schönen Mittwoch wünschen,
Angela & Dieter

[Anmerkung: In der Ur-Version hatten „Angela“ & „Dieter“ umgedrehte Rollen. Das hat zu spannenden Rückmeldungen geführt. So schrieb eine Leserin: „Der „Koch-Putzen-newsletter“ vom 8.1. lag mir noch etwas im Magen, er hat mich zu sehr an das Klischee „der Mann der kreative Koch, die Frau putzt hinter her“ erinnert.“ So war es aber gar nicht gemeint – Kochen und Putzen waren/sind in den Beispielen voneinander unabhängig und geschlechterunspezifisch gemeint. 😊]


Mai 15, 2019

Wieder Kontakt zur Affäre!?🤯

Schönen Mittwoch,

wie angekündigt, wollen wir uns in den nächsten Ausgaben unseres Newsletters den Fragen widmen, die ihr uns als Antwort auf unsere Mails geschickt habt.

Dazu hat uns in einer der letzten Wochen folgende Frage erreicht:

Nachdem mein Mann und ich durch die ersten Monate nach einer längeren Affäre von ihm einigermaßen gut durch gegangen sind, habe ich letzte Woche herausgefunden, dass er nach wie vor in Kontakt mit der anderen Frau steht. Ich war vollkommen außer mir und kann diesen erneuten Vertrauensbruch nicht verstehen. Was soll ich tun?

Aus unserer Sicht hat diese Frage zwei Aspekte:

Wie kann es gelingen wieder Vertrauen aufzubauen?

Wenn es um den Wieder-Aufbau von Vertrauen geht, so verwenden wir in der Beratung oft den Ausdruck „Vertrauen schöpfen“: Er bringt unserer Ansicht nach nämlich gut zum Ausdruck, dass Vertrauen nicht aktiv aufgebaut werden kann, sondern dass der Hintergangene aus der Menge aller vertrauensbewirkenden Handlungen so viel heraus schöpfen kann, wie es ihm oder ihr in dieser Zeit gerade möglich ist. Das führt dazu, dass der, dem man nicht mehr vertraut, ausreichend viele vertrauensbildende Handlungen setzen muss, um ein Schöpfen überhaupt zu ermöglichen.

Das gilt im Übrigen nicht nur nach einem Seitensprung, sondern nach allem was Vertrauen erschüttert. Wenn das Vertrauen wieder ausreichend vorhanden und ihr in der Beziehung in einem guten Austausch seid, wird auch ein Kontakt zur ehemaligen Affäre nicht unmittelbar bedrohlich sein.

Wie gehe ich konkret mit solchen Entdeckungen um?

Wenn ich nun konkret bemerkt habe, dass es wieder oder noch immer Kontakt zur dritten Person gibt (und das anders besprochen wurde), so ist es aus unserer Sicht wesentlich den Partner rasch darauf anzusprechen. Möglichst ohne Vorwürfe sondern vielmehr mit einer Haltung, die echtes Interesse daran vermittelt, warum ein neuerlicher Kontakt entstanden ist.

Oft ist das natürlich nicht einfach und aus unserer Erfahrung wissen wir, dass im ersten Affekt neue Kontakte entweder geleugnet oder heruntergespielt werden. Wenn du davon betroffen bist, so versuche deinem Partner oder deiner Partnerin zu signalisieren, dass Offenheit und gegenseitiges Vertrauen das Fundament eurer weiteren Beziehung sind, und dass es für dich wichtig ist zu verstehen, wofür ein neuerlicher Kontakt entstanden ist.

Und auf der anderen Seite?

Für den „betrügenden“ Ehepartner ist es essentiell zu verstehen, dass jedes neuerliche – und sei es noch so banale – „Hintergangen werden“ einen massiven Rückschritt im Vertrauensaufbau bedeutet und dass der „betrogene“ Partner jedes Recht dazu hat emotional zu reagieren. Es ist am „betrügenden“ Partner für Authentizität zu sorgen und dem gekränkten Gegenüber aktiv zu vermitteln, dass es keinen Grund für neuerliche Eifersucht gibt.

Paare berichten uns, dass ein klärendes Gespräch zwar mühsam und meist auch mit Konflikt behaftet war, dass aber danach wieder Ruhe einkehren konnte und erneut ein starkes Bewusstsein für den Wert der Paarbeziehung enstehen kann. Oft stellt sich heraus, dass „Kleinigkeiten“ wie beispielsweise Geburtstagswünsche oder eine geschäftlich notwendige Kontaktaufnahme dahinter liegen.

Wir hoffen diese Gedanken und Ansätze helfen euch in solchen Situation weiter. Und: Die Einladung uns Fragen zu schicken gilt noch immer – schreibe uns an aud@ehrenreich.info

Alles Liebe
Angela und Dieter


Mar 13, 2019

Zeit für mich selbst!? ⏱

Schönen Mittwoch,

hattet Ihr Smartphone & TV schon im Griff? Oder haben unsere Überlegungen von letzter Woche Platz in Euren Familiengesprächen gefunden?

Diese Woche geht es um etwas ganz anderes:

Wie viel Zeit soll jeder für sich haben?

Häufig erleben wir in der Beratung zwei Szenarien:

Es gibt Kinder, Jobs, zu pflegende Angehörige und vieles anderes, was Platz finden soll im Alltag. Und daneben bleibt vielleicht noch Zeit für Euch als Paar, aber individuelle Zeit für den Einzelnen gibt es keine mehr.

Die Partner haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse, was gemeinsame Zeit und alleine verbrachte Zeit angeht und obwohl an sich genug Zeit wäre, kommt es zu Konflikten zum Thema „me-time“.

Wie kann man nun als Paar damit umgehen?

Es hilft, wenn man sich vom „Muss“ verabschieden kann. Wenn wir uns um unsere Kinder kümmern, so machen die meisten von uns das nicht, weil wir müssen (ja, es gibt einen gewissen gesellschaftlichen Druck ? ), sondern weil unsere Kinder uns wichtig sind. Wenn ich aber sagen kann „ich will meinen Kinder am Abend vorlesen“ anstatt „ich muss…“, dann kann das schon Erleichterung verschaffen und den inneren Druck reduzieren. Ich könnte ja auch, einfach auf der Couch liegen bleiben und mein Buch weiterlesen. (Ab hier wird es spannend, sich wirklich mit seinem „inneren Müssen“ auseinanderzusetzen und seine inneren Freiheiten zu entdecken. ?)

Was dadurch passiert ist eine Wertklärung. Wir beginnen uns selbst zu antworten was uns wirklich wichtig ist und wofür wir das als wichtig empfinden. Je klarer meine „Wofürs“ sind, umso besser kann ich auch mein Umfeld teilhaben lassen und umso mehr Verständnis kann der andere für mich entwickeln. Wenn das beiden Partner gelingt, dann werden auch die Zeiten für den einzelnen wieder leichter möglich.

Dann geht es nämlich nicht mehr um ein Aufrechnen der „me-time“ jedes einzelnen, sondern es wird leichter dem Partner etwas zu gönnen was ihm/ihr gut tut.

Und nächste Woche schauen wir uns den zweiten Fall genauer an.

Bis dahin Alles Liebe!
Angela & Dieter


 Feb 27, 2019

Dates – hilfreich oder unromantisch?😍

Schönen Mittwoch,

schon wieder ist eine Woche vorüber und der Frühling verdrängt langsam den Winter. Wir haben uns bemüht, in den letzten Tagen ein paar Stunden Sonne zu genießen und haben das Fahrrad wieder zu unserem Hauptverkehrsmittel gemacht.

Sollen wir fixe Verabredungen oder Dates miteinander ausmachen?
Wir merken, dass es zwei Fraktionen unter den Menschen gibt:

Diejenigen, die sagen: Ja, unbedingt! Mit zwei Jobs & Kids gehen sich ja sonst niemals Paarabende aus.
Und die anderen, die sagen: Aber hallo?! Das ist ja sowas von unromantisch…wo kommen wir denn da hin, wenn ich mir meinen Partner als Termin in den Kalender schreiben muss?!
Oft finden sich – unserer Erfahrung nach – in Paarkonstellationen beide Typen – was zum Ergebnis hat, dass gar keine Paarzeit freigemacht wird… 😉

Wie machen wir das? Wir machen beides! 🙂

Als fulltime-working Eltern von drei Kindern wissen wir, dass es hilfreich ist, fixe Dates einzuplanen und die Babysitterin fix zu buchen, denn dann gehen wir auch tatsächlich zu zweit aus. Wenn wir das nämlich nicht tun, sind wir sicher viel zu müde um spontan noch Abendessen zu gehen.

Andererseits ist es auch wichtig und gut, sich spontan Inseln im Alltag zu schaffen, die Zweisamkeit bedeuten. Was in der Praxis (zumindest für uns) bedeutet, dass wir uns einen schnellen Kaffee oder einen kleinen Spaziergang herauszwicken.

Das, worauf es ankommt ist, diese Momente – sowohl die fixen Dates als auch die schnellen Kaffees zwischendurch – bewusst zu zelebrieren, zu genießen, im Hier und Jetzt gemeinsam zu erleben.

Bis nächste Woche,
Angela & Dieter